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Ralf K.

unregistriert

1

Samstag, 8. März 2003, 19:29

Regenrückhaltebecken

Ich bewohne ein Haus, innerhalb einer geschlossenen Ortschaft, wo in einem
Abstand von ca. 80 m ein Regenrückhaltebecken mit ca. 2300 m3 geplant wird.

Wer kann mit etwas zu den Vor- bzw. vor allem den Nachteilen schreiben, bzw.
wer weiss wo ich Infos dazu bekommen kann. Nach welcher DIN-Norm muss solch
ein Becken gebaut werden. Was ist unbedingt zu beachten?

Für kurzfristige Infos schon einmal im voraus

VIELEN DANK!

Ralf Kreimeier

Normen

unregistriert

2

Montag, 10. März 2003, 14:46

Re: Regenrückhaltebecken

Hallo,

Grundlage für die Bemessung von Regenbecken sind meines Wissens die ATV-Arbeitsblätter A-128 und A-117. ( ATV = Abwassertechnische Vereinigung - http://www.atv.de )
Arbeitsblatt A-128 trägt den Titel : Richtlinien für die Bemessung und Gestaltung von Regenentlastungsanlagen in Mischwasserkanälen
und Arbeitsblatt A-117 trägt den Titel : Bemessung von Regenrückhalteräumen.

Beim Regenrückhaltebecken wäre ein großer Vorteil, dass i.d.R. der gesamte Regenwetterzufluß zwischengespeichert und nach dem Abklingen des Regenereignisses, wieder an den Kanal abgegeben wird, d.h. der Vorfluter ( Graben, Bach, Fluß ) wird dadurch sehr viel geringer als bei anderen Beckenarten ( Regenüberlaufbecken ) belastet.
Bei einem Regenereignis sammelt sich in einem solchen Becken Schmutzwasser ( zwar verdünnt, aber doch belastet ) und am Boden des Becken setzen sich Feststoffe ab. Nach Leerung des Beckens ist es wichtig, dass diese abgesetzten Stoffe auch wieder dem Kanal zugeführt werden. Dies erfolgt z.B. über automatische oder manuell auszulösende Spülvorrichtungen ( z.B. Spülkippe, Spülpumpe ). Geschieht dies nicht oder nur unzureichend, so entwickeln diese Ablagerungen Geruchsemissionen.
Je nach Beckentyp und Bauausführung ist diese Spülung eine mehr oder weniger umfangreiche Tätigkeit und gerade bei Reinigungsdurchläufen die durch das Personal manuell durchgeführt werden, kann es schon mal passieren, dass ( z.B. bei Überlastung des Personals ) dies nicht in ausreichendem Maße durchgeführt wird. Bei einem relativ neuen, oberirdisch angelegten, Becken habe ich schon mal gesehen, dass der Klärwärter nach jedem Regenereignis mit einem Schneeschieber (!) in das Becken steigen mußte, da die ganze Konstruktion mit Spülkippe nur unzureichend reinigte. Ich bezweifele, dass er dies jedesmal mit der eigentlich gebotenen Sorgfalt durchführen konnte.
Interessant ist auch noch ob das Becken unter - oder überirdisch angelegt wird. Ein unterirdisch angelegtes Becken ist wesentlich geruchsärmer.





>Ich bewohne ein Haus, innerhalb einer geschlossenen Ortschaft, wo in einem
>Abstand von ca. 80 m ein Regenrückhaltebecken mit ca. 2300 m3 geplant wird.
>Wer kann mit etwas zu den Vor- bzw. vor allem den Nachteilen schreiben, bzw.
>wer weiss wo ich Infos dazu bekommen kann. Nach welcher DIN-Norm muss solch
>ein Becken gebaut werden. Was ist unbedingt zu beachten?
>Für kurzfristige Infos schon einmal im voraus
>VIELEN DANK!
>Ralf Kreimeier

Hansheinrich Wendel

unregistriert

3

Dienstag, 1. April 2003, 09:30

Re: Regenrückhaltebecken

>Ich bewohne ein Haus, innerhalb einer geschlossenen Ortschaft, wo in einem
>Abstand von ca. 80 m ein Regenrückhaltebecken mit ca. 2300 m3 geplant wird.
>Wer kann mit etwas zu den Vor- bzw. vor allem den Nachteilen schreiben, bzw.
>wer weiss wo ich Infos dazu bekommen kann. Nach welcher DIN-Norm muss solch
>ein Becken gebaut werden. Was ist unbedingt zu beachten?
>Für kurzfristige Infos schon einmal im voraus
>VIELEN DANK!
>Ralf Kreimeier
Wie schon in der vorigen Antwort steht, ist der Stand der Technik in den ATV-Arbeitsblättern beschrieben. Für die konstruktive Auslegung gilt ATV-A 166, ist unter www.atv.de zu beziehen, kostet aber 59 Euro. In der Beschreibung sind auch weitere ATV-Blätter angezogen.
Tip: Bei Gemeinde-Klärwerk oder Wasserwirtschaftsamt einsehen.
Hansheinrich Wendel

Hansheinrich Wendel

unregistriert

4

Freitag, 11. April 2003, 14:47

Re: Regenrückhaltebecken

Das Arbeitsblatt ATV-A 166 ist am wichtigsten. Interressant: Unter 9.3 "Einsparmöglichkeiten bei Bauweise und Kubatur"
"Beträgt die Entfernung des Regenüberlaufbeckens zur nächstgelegenen Wohnbebauung mehr als 200...300m, so kann im Regelfall auf eine geschlossene Ausführung von Regenüberlaufbecken verzichtet werden.Regenbecken in Trennsystemen können grundsätzlich in offener Bauweise konzipiert werden.Bei Becken mit Dauerstau ist die offene Bauweise anzustreben."
Der Umkehrschluß ist also: Bei Abständen unter ca. 200 m muß ein Regenüberlaufbecken geschlossen ausgeführt werden.
ATV-Arbeitsblätter sind anerkannte Regeln der Technik, Abweichungen führen im Problemfall meist zu Regreßforderungen.
Weisen Sie Ihren Gemeinderat darauf hin.
mfg hwen

5

Donnerstag, 13. Oktober 2011, 15:47

ATV-Arbeitsblätter erhältlich?

Hallo zusammen , bin durch Zufall bei der Recherche zu einem Referat auf diesen Beitrage gestoßen, in dem es ja auch besonders um besagte Arbeitsbläter geht. Im Rahmen eines Referates zur Dimensionierung von Regenrückhalteanlagen versuche ich vergelblich an diese Arbeitsblätter zu kommen. Man kann sie für 42 € wohl kaufen, aber das ist ja nicht verhälrnismäßig. Weiß jemand wie ich an die kommen kann...?

Grüße Daniel

Zündfunke

Anfänger

Beiträge: 19

Wohnort: Rheinland

6

Montag, 17. Oktober 2011, 11:36

Verhältnismäßigkeit Kosten Regelwerk

Hallo Daniel,

zur Frage der Verhältnismäßigkeit der Kosten sei bitte beachtet: es handelt sich hier um allgemein anerkannte Regeln der Technik, also um die kumulierte Erfahrung nicht nur sämtlicher Autoren, sondern auch der vollständigen Fachwelt, ohne deren Einverständnis es keine allgemein anerkannten Regeln wären. Auf einen solchen Erfahrungsschatz zurückgreifen zu können, ist eigentlich unbezahlbar. Dazu kommt in diesem Fall, dass die DWA (früher ATV) einer der gemeinnützigen Regelsetzer in Deutschland ist, also nicht profitorientiert arbeitet.

Leider ist die DWA leidenschaftslos, auch wenn es für Forschung und Lehre ihrer Veröffentlichungen bedarf, und stellt sie nicht kostenfrei zur Verfügung. Aber praktisch alle technischen Hochschulen haben in ihren Bibliotheken die einschlägigen technischen Regeln des CEN, DIN, DVGW und eben DWA stehen. Falls es bei Euch nicht direkt ein passendes Institut gibt (gern Bauingenieurwesen), gibt es ja vielleicht in der Nähe eine Uni oder FH mit entsprechenden Studiengängen und der Möglichkeit, Dich in ihre Bib zu lassen.

Damit hättest Du, was Du suchst: Anders als Normalsterbliche ist es für Studierende nämlich durchaus zulässig, im Rahmen ihrer eigenen Ausbildung urheberrechtlich geschützte Werke für Zwecke von Forschung und Lehre für den eigenbadarf zu vervielfältigen (Wenn Du dabei bist, vergiss nicht die DIN EN 752, die über allem steht).

Was nichts daran ändert, dass die gemeinnützigen Regelsetzer ihre Arbeit durch den Verkauf der erarbeiteten Inhalte finanzieren. Wer unabhängige Regelwerksarbeit nicht unterstützen möchte, sollte sich dazu zumindest unter Beachtung aller Umstände bewusst entscheiden und nicht wegen 42 Euro.

Viel Erfolg beim Referat!
Multiple exclamation marks is a sure sign of a diseased mind. -Terry Pratchett

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