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1

Samstag, 14. Juli 2012, 15:32

Bemessung einer Drainage Leitung

Liebe Wasserratten, vielleicht wisst ihr ja Bescheid:
Bei einer Diskussion während einer Bausitzung tauchte die Frage nach der Bemessung der Drainage Leitung und dem zu erwartenden Durchfluss auf.
Der Projektsteuerer, war sichtlich genervt, dass weder Statiker, Haustechniker noch Architekt ihm eine hinreichende Antwort geben konnten.
Die Frage ist wichtig, da das Drainagewasser unterhalb des Kanalniveaus gesammelt wird und auf das entsprechende Niveau gepumpt werden muss. Dafür müssen die Pumpen bemessen werden. Dies ist quasi unmöglich, wenn keine Angaben zum Wasserdurchfluss vorliegen. Daher meine Fragen an die Fachleute für Wasser und seiner Leitung:
Wie wird bemessen? Im vorliegenden Fall sind alle das Gebäude umgebenden Flächen durch Verbundpflaster versiegelt.
Gibt es eine Formel, ähnlich der Berechnung eines Regenfallrohres?
Über ein paar konstruktive Antworten (ohne über Sinn oder Unsinn einer Pumpenanlage zu diskutieren :whistling: ) würde ich mich sehr freuen.

Besten Dank im Voraus

SvenG

Fortgeschrittener

Beiträge: 280

Wohnort: Thüringen

Beruf: Abwassermeister

2

Montag, 16. Juli 2012, 10:52

Keine leichte Aufgabe. Mein Ansatz:

Über einen Sickertest wäre zunächst mal zu ermitteln, was durch das Verbundpflaster und die Fugen überhaupt durchgeht. Dann noch die Versickerungswerte des Straßenaufbaus, welche wohl ermittelbar sind, und die Sache müsste eigentlich lösbar sein. Wobei ich vermute, dass in der Drainage kein oder nur sehr wenig Oberflächenwasser ankommen wird. Meistens kommt eher Schichtenwasser, welches kaum zu bemessen ist. Über zu erwartendes Schichtenwasser müsste aber eigentlich auch das Bodengutachten was sagen. Wenn's nur ne Angstdrainage ist, würde ich sie ausser Funktion setzen.
MfG Sven

(Wer Rechtschreibfehler findet, darf sie behalten)

3

Montag, 16. Juli 2012, 14:49

Re

Hallo nda,

da hat der Architekt und die Fachplaner geschlafen! Die Einleitung von Grundwasser (Drainagewasser) in die öffentliche Kanalisation ist grundsätzlich nicht zulässig. Sehr aussagefähiges Dokument ist der Infobaltt Stadt Hessen:

1/2 26/09/00
Informationsblatt
Einleitung von Grundwasser in die öffentliche Kanalisation


Sehr geehrte Kundin,
sehr geehrter Kunde,

gemäß § 7(5) der Entwässerungssatzung der Stadt Essen ist die Einleitung
von Grundwasser (dazu zählen auch Drainagewasser und Grubenwasser) in die
öffentliche Kanalisation grundsätzlich nicht zulässig.

Die Stadt Essen ist nicht verpflichtet, die Ableitung von Grundwasser über
die öffentliche Kanalisation zuzulassen, da es sich bei Grundwasser vor dem
Eintritt in die Grundstücksentwässerungsanlage nicht um Abwasser handelt.

Dieses aus ökologischen wie auch ökonomischen Gründen festgelegte Verbot
bewirkt einerseits eine Stabilisierung der Grundwasserverhältnisse, andererseits
wird hierdurch eine zusätzliche Belastung der Kanalisation und der
Abwasserbehandlungsanlagen (wie z. B. Kläranlagen) durch nicht klärpflichtiges
Wasser vermieden.

Hierdurch ergeben sich für Sie die Aufgabe und die Verpflichtung alle planerischen
und bautechnischen Möglichkeiten auszuschöpfen, um von Ihnen erwartete
negative Auswirkungen des Grundwassers auf die Bausubstanz zu verhindern.

Als Lösungsmöglichkeiten seien hier beispielhaft das Einbringen des Drainagewassers
in Sickerschächte, Teiche, Rigolen oder in der Nähe befindliche
Gewässer genannt, sowie der Einbau von Lehmkeilen oder die Ausführung einer
weißen Wanne.

Erst wenn nachweislich keine technische Alternative zum Schutz des Baukörpers
besteht, können im Einzelfall die Voraussetzungen für eine Abweichung
von o. g. Verbot vorliegen.


Zur Beurteilung einer Drainagewassereinleitung in die öffentliche Kanalisation
sind beim Tiefbauamt der Stadt Essen, Lindenallee 10, 45128 Essen, die
folgenden aussagefähigen Unterlagen einzureichen:

· Bodengutachten mit Schichtenverzeichnis,
· Nachweise, die den Ausschluss aller alternativen Rückhalte- bzw. Beseitigungsmöglichkeiten
zweifelsfrei belegen,
· überschlägliche Wirtschaftlichkeitsberechnung der alternativen Rückhalte-
bzw. Beseitigungsmöglichkeiten,
· Erläuterung zu den geplanten Ausführungen der Drainageeinrichtungen,
· Angaben im Hinblick auf die zu berücksichtigende Rückstauebene,
· Angaben zu Qualität, Menge und Häufigkeit der beabsichtigten Drainagewassereinleitung,
· Lageplan und Längsschnitt mit Eintragung der Drainage(n) und der vorgesehenen
Einleitungsstelle(n) in die öffentliche Kanalisation.

Eine positive Entscheidung vorausgesetzt, sind nachstehende Auflagen als
Genehmigungsbestandteil zu beachten:

· Die höchstzulässige Drainagewassermenge, die der öffentlichen Kanalisation
zugeführt wird - sie entspricht der berechneten Maximalmenge -,
darf nicht überschritten werden,

· das Drainagewasser ist, wegen des hohen Schadens, der bei einem Rückstau
vom öffentlichen Kanal entstehen würde, mittels einer automatisch arbeitenden
Hebeanlage rückstaufrei in die Grundstücksentwässerungsanlage
einzuleiten und anschließend zusammen mit dem Abwasser der Haus- bzw.
Grundstücksentwässerung der öffentlichen Kanalisation zuzuführen,

· die erforderlichen Einrichtungen sind unter Beachtung der DIN- bzw. ENVorschriften
und der anerkannten Regeln der Technik auszuführen und
sachgemäß zu betreiben,

· zur Feststellung und Registrierung der anfallenden Drainagewassermengen
ist an geeigneter Stelle eine Messeinrichtung (vor der Zusammenführung
der Drainagewasserleitung mit der Grundleitung bzw. dem Anschlusskanal
für das Schmutz- und/oder Niederschlagswasser) zu installieren,

· die eingeleitete Drainagewassermenge und der entsprechende Ablesezeitraum
sind dem Stadtsteueramt, Porscheplatz, 45121 Essen, jeweils zum 1.
eines Quartals zum Zwecke der Veranlagung zuzusenden. Der Gebührensatz
entspricht dem des Schmutzwassers und wird pro anrechenbarem m³ erhoben.

Sollte über den Umfang dieses Informationsblattes hinaus noch Erläuterungsbedarf
bestehen, stehen Ihnen die Stadtwerke Essen (Rufnummern 800-2440,
800-1541 und 800-1532), das Amt für Stadtplanung und Bauordnung der Stadt
Essen (Rufnummer 88-61113) und das Tiefbauamt der Stadt Essen (Rufnummern
88-66437 und 88-66438) gerne zur Verfügung.
Mit freundlichen Grüßen
Stadtwerke Essen AG



Dies konnte man als Allgemein gültig für ganze Deutschland ansehen.
Das bedeutet, die Abwasser-Menge die im Entwässerungsgesuch angegeben wurde, die wird eingeleitet.
Falls mehr eingeleitet wird, ist dies rechstwiedrig.
Falls Drainagewasser eingeleitet wird, muss dies genehmigt werden.

Jetzt zu der eigentlicher Frage. Falls es niemand von den "Fachmähher" berechnen kann, macht dies gern der Hersteller der Rohre, z.B. die Firma "Fränkische".

Gruß

Möller

SvenG

Fortgeschrittener

Beiträge: 280

Wohnort: Thüringen

Beruf: Abwassermeister

4

Dienstag, 17. Juli 2012, 11:10

Mensch Möller, so unsachlich kenn ich dich hier garnicht ?(

Der Hinweis auf das Einleitverbot ist nicht wirklich zielführend. Dem Planer und Architekten zu unterstellen, sie hätten gepennt halte ich auch für mutig. Schließlich könnten sie den Anschluss mittels Ausnahmegenehmigung bereits geklärt haben und sind sich nur noch über die zu erwartenden Mengen uneins. Die Aussagen zur technischen Ausführung sprechen zumindest dafür. Die Rohrhersteller können sicher sagen, was durch das Rohr passt. Eine Angabe zu den gefassten Mengen kommt von da aber bestimmt nicht.
MfG Sven

(Wer Rechtschreibfehler findet, darf sie behalten)

5

Dienstag, 17. Juli 2012, 13:55

Hallo Sven,

das tut mir leid, falls es so ein Eindruck gemacht hat. Aber das stimmt, was ich geschrieben habe. Erst bauen und dann überlegen, wie bekomme ich den Bau trocken?

Jetzt zu dem Problem:
Die Bemessung der Drainage erfolgt nach der DIN 4095:1990-06; Baugrund; Dränung zum Schutz baulicher Anlagen; Planung, Bemessung und Ausführung. Es gibt zwei Verfahren: Regefall und Sonderfall wobei das zweite "fast nur" Ablesen aus den Tabellen ist. Dazu muss man das Bauvorhaben kennen, sowie die Ausführung der Drainage (Wand, Boden ...). Also ein einfacher Rat gibt es nicht. Ich frage mich nur wie man die Drainage gebaut, geplant hat, wenn sie Keiner bemessen hat? (chrrr, chrrr)
Die DIN kostet ca. 40 €. Online bestellt, ist sie innerhalb 1 Stunde da.

PS: Jetzt doch noch ein einfacher Rat ;) Am Ende einer Drainage ist immer ein Sandfang, aus dem ein Rohr in den Pumpenschacht mündet. Wenn die Anlage so gebaut ist, ist es ziemlich einfach die Abflussmenge festzustellen. Das Volumen vom Pumpenschacht berechnen. Der Pumpenschacht leer pumpen und warten wie lange es dauert bis der Schacht wieder voll wird. Menge durch Zeit ergibt Fördermenge der Pumpe. Die Förderhöhe ist die geod. Höhe + Druckverluste aus der Druckleitung. Empfelenswert sind 2-3 Messungen nach dem Regen mit einem zeitlichen Verzug von mehreren Stunden.

Noch ein Hinweis die DIN sieht für Oberflächen oberhalb Drainageleitungen kein Verbundpflaster vor (chrrr, chrrr).

Gruß

Möller

SvenG

Fortgeschrittener

Beiträge: 280

Wohnort: Thüringen

Beruf: Abwassermeister

6

Mittwoch, 18. Juli 2012, 08:20

Hatte mich auch schon gewundert ;) . Bezüglich der Din ärgere ich mich auch immer wieder über sogenannte Fachplaner, die aber eigentlich keine Ahnung haben. Die fragen dann gern mal, wie so ne Dichtheitsprüfung nach 1610 aussieht, oder was eine Generalinspektion bei Fettabscheidern ist. Insofern kann ich Dich gut verstehen...
MfG Sven

(Wer Rechtschreibfehler findet, darf sie behalten)

7

Mittwoch, 18. Juli 2012, 08:48

Hallo Sven,

da kann ich dir nur zustimmen. Die DIN 1610 sagt sogar den meisten Rohbauern nichts! Und die Architekten, die haben sich die DIN nie angeschaut und schreiben die Leistungen aus wie "Druckprüfung der Grundleitungen für gesamte Bauvorhaben pauschal 1 Stück" obwohl sie wissen, dass es nach Bauabschnitten gebaut wird, dass es unterschiedliche System gibt, die nicht miteinander verbunden sind. Dies benötigt mehrere Druckprüfungen. Nach solchen Ausschreibung ist die Position nicht kalkulierbar. Und das gleiche gilt für Drainage. Da schreiben sie Paar Drainage-Rohre aus aber den Rest nicht. Über Drainagepackung oder Drainagematten haben die nie was gehört und Vlies??? usw. Und das Beste zum Schluss: so wie im Beitrag, wird die Oberfläche oberhalb der Drainage versiegelt. Da kann ich mir die Drainage sparen, außer ich will Schicht oder Grundwasser absenken. Was aber selten erlaubt wird.

Na ja, ich wünscht dir trotzdem schönen Tag

Möller

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