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Peter Bergler

unregistriert

1

Freitag, 1. Juni 2007, 22:12

Küchenabfallzerkleinerer (KAZ)

Warum ist man in Deutschland eigentlich so spinnefeind gegenüber den Küchenabfallzerkleinerern? Wenn ich meine Freunde in den USA darauf anspreche, wie es denn so funktioniert mit den Dingern und dass die bei uns mehr oder weniger verboten sein sollen (auf dem Umweg über schwammige Formulierungen in den Satzungen), dann zucken die nur mit den Schultern. Keiner versteht warum man deswegen überhaupt Aufhebens macht.

Was meint Ihr denn dazu?

P.S. Jetzt bitte nicht schreiben, dass ohnehin jeder wisse, was er umweltmäßig von den Amis zu halten habe, usw. Das ist mir zu billig.


ha

unregistriert

2

Montag, 4. Juni 2007, 15:24

Re: Küchenabfallzerkleinerer (KAZ)

Hallo Peter Bergler
Ein Zerkleiner für Küchenabfälle ist eine tolle Sache, aber werden diese Essensreste auch in die Kanalisation gespühlt. Dort leben die Ratten die bekommen noch mehr Angebot an Nahrung. Es sollten keine Essensreste deshalb in die Kanalisation gegeben werden ob in ganzer oder in zerkleinerter Form.
Ich hoffe das ist ein Argument.
Gruß
ha

E.Köppen

unregistriert

3

Mittwoch, 6. Juni 2007, 00:34

Re: Küchenabfallzerkleinerer (KAZ)

Die Antwort steht eigentlich schon in der Frage: Abfallzerkleinerer !
In Deutschland wird klar zwischen Abfall und Abwasser unterschieden. Siehe Definitionen und Gesetze (Wasser- und Abwassergesetze der Länder).
In diesem Fall geht es um Küchenabfälle, dann vielleicht Haushaltsabfälle usw.
Wirtschaftlich gesehen, werden Abfälle kostengünstiger entsorgt als entsprechende Abwässer.
Es ist zwar schön in den USA, den Küchenmüll in den Abwassermixer zu entsorgen, ich habe es selbst erlebt,unter dem Motto: my home is my castle, aber die Abwasserleute haben die Arbeit und die Kosten.

Peter Bergler

unregistriert

4

Freitag, 8. Juni 2007, 15:11

Re: Küchenabfallzerkleinerer (KAZ)

Hallo Herr Köppen,

der Umgang mit sämtlichen Hinterlassenschaften des Menschseins hat sich im Laufe der Kulturgeschichte immer wieder gewandelt. So z.B. gab es angeblich bereits im antiken Rom eine Art Schwemmkanalisation. Dieses System geriet dann aber in Vergessenheit. Erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts kam man in Deutschland (z.B. durch von Pettenkofer in München) wieder auf die Idee, Fezes, sowie Urin über Kanäle abzutransportieren. D.h. man entschloss sich die vorhandenen Kanäle zum Abtransports des Regenwassers mit einer zusätzlichen Fracht zu belegen. Obendrein mit einer reichlich problematischen Fracht. Wäre das nicht so, dann bräuchte man ja auch keine Kläranlagen.

Der Widerstand gegen die damals neumodischen "Wasserclosets" war erheblich, was sich z.B. in kostspieligen Fehlplanungen in vielen Städten niederschlug. Man war der Meinung, dass die WCs für die Masse der Bevölkerung zu teuer sei und sich nicht durchsetzen werde.

Man hätte damals auch den Weg gehen können, den man in neuerer Zeit z.B. in Schweden oder Korea geht: Die getrennte Sammlung von Urin, mit speziellen WCs. Auf diese Weise würde das Abwasser von einer Fracht befreit, die welche den Klärungsprozeß erheblich erschwert. Man hätte auch das Gebot der bestmöglichen stofflichen Verwertung beachtet.

Die Suspension, welche sich aus Millionen deutscher Küchenabläufe in die Kanalisation ergießt, unterscheidet sich stofflich nicht oder kaum von dem was ein Küchenabfallzerkleinerer erzeugt. Der am Teller klebende kleine Rest Kartoffelbrei wird auch heute schon in den Abfluss gespült. Ebenso die Kartoffel- oder Tomatensuppe. Größere Sachen, welche die Hausfrau stören, wandern ins WC. Das ist sozusagen Stand der "Küchentechnik" in Deutschland. Das Ergebnis kann man jederzeit am Rechengut in den Kläranlagen sehen. Ohne KAZ fallen riesige Mengen Rechengut an.

Es ist interessant, dass man sich bei der nüchternen Betrachtung von Sachfragen hierzulande immer wieder in die rettenden Arme von Gesetzen, Verordnungen und Satzungen flüchtet. Diese Regularien müssen stets den aktuellen Gegebenheiten angepaßt werden, sonst sind sie eines Tages nicht mehr zu gebrauchen. Denkverbote sind immer eine fatale Sache.

Worum geht es also eigentlich? Sicher nicht darum, dass die eine Fraktion ("die Abwasserleute") und die andere Fraktion ("die Müllentsorger") sich gegenseitig zum Nachteil desjenigen blockieren, für den die ganze Veranstaltung überhaupt stattfindet: des Bürgers, der eine vernünftige Entsorgung zu tragbaren Kosten haben will.

Der Bürger möchte keinen stinkenden Abfall in seiner Wohnung haben. Der Bürger möchte es leichter haben seinen Abfall zu trennen, und dabei stört nun einmal das übrig gebliebene halbe Schnitzel vom Sonntag oder der Fisch vom Freitag, ...

In Haushalten mit KAZ reduziert sich das Restmüllaufkommen teilweise um bis zu 90%, da es wesentlich leichter fällt die Wertstoffe vom echten Restmüll zu trennen ("kein Sauhaufen mehr"). Die Verpackungen werden nicht mehr kontaminiert.

Wir verwenden den KAZ seit einigen Jahren hier in Deutschland. Nach etwa einem halben Jahr haben wir den Bioeimer in der Küche abgeschafft und im frei gewordenen Platz den Eimer für die Verpackungen aufgestellt. Ab diesem Moment sind wir von der bisherigen 120 Liter Restmülltonne auf die 40 Liter Tonne umgeschwenkt (kleiner gibt es hier nicht, 14 Tage Leerung). Ohne den KAZ hätte das nicht funktioniert.

Haushaltsabfälle, Verpackungen oder dergleichen lassen sich beim besten Willen nicht mit dem KAZ entsorgen, da das Gerät sofort blockiert, wenn man z.B. Plastikbecher zerkleinern wollte. Das funktioniert schlicht nicht. Auch wer nun meint, dass er sein Altpapier oder Batterien bequem loswerden könnte, der irrt. Man kann mit einem KAZ in der Tat nur Bioabfall zerkleinern, sowie Küchenkrepp, welches sich bekanntermaßen nicht von Klopapier unterscheidet.

Der Bioabfall ist nun einmal da, genau so wie später die Stoffe entsorgt werden müssen, die den Weg durch den menschlichen Körper gefunden haben.

Nachdem man vor ca. 20 Jahren die Biotonne erfunden und nahezu flächendeckend durchgesetzt hat, will man verständlicherweise nichts von anderen Lösungen wissen. Es fällt jedem schwer, einen einmal eingeschlagenen Weg zu überdenken und ggf. zu ändern.

Küchenabfälle sind strukturschwach und bestehen zu 80% aus Wasser. Deswegen sind sie für die aerobe Rotte auf Komposthöfen nicht besonders gut geeignet. Damit anaerobe Zonen vermieden werden, muss das Material immer wieder unter Energieaufwand gewendet werden. Auf dem Weg zum Komposthof macht der Biomüll alles andere als Freude, weder den Nutzern, noch den Werkern, die damit zu tun haben. Schimmelbelastungen, Insektenbefall, Gestank, sind hier nur einige Stichworte.

Weil das Material so feucht ist, bietet es sich geradezu an, es in zerkleinertem Zustand über den Kanal zu entsorgen.

In zahlreichen Studien, Dissertationen usw. wurde eindeutig belegt, dass der gemahlene Bioabfall in der Kläranlage keinerlei Probleme bereitet, jedenfalls keine solchen, denen man nicht auf einfache Weise begegnen könnte.

Insbesondere gibt es keine Literaturstellen in denen davon berichtet wurde, dass Leitungen verstopfen, dass es zu einer hydraulischen Überlastung gekommen wäre. Nichts von alledem ist beobachtet worden.

Und in den USA wird das System KAZ deswegen verwendet, weil es sich schlicht und einfach bewährt hat. Seit 70 Jahren schon.

Der Bürger und Financier des Entsorgungssystems hat ein Recht darauf, dass ihm eine optimale Entsorgung angeboten wird. Die Tatsache, dass die Abteilung Abwasser nicht mit der Abteilung Müll spricht oder sprechen will, kann dem Bürger nicht egal sein, denn er zahlt das ganze schließlich und hat den Aufwand damit.

Die Kosten des Systems KAZ+Wertstoffe+Restmüll sind niedriger als diejenigen des Systems Kanal+Biotonne+Wertstoffe+Restmüll und der Komfort ist ungleich höher. Lediglich Selbstkompostierer fahren noch besser.

Ich kenne jetzt einige Leute, die sich einen KAZ zugelegt haben. Selbst diejenigen, die anfangs sehr skeptisch waren, wollen auf das Gerät keinesfalls mehr verzichten. Es ist einfach eine rundumn sinnvolle Sache.

Jede Wette, dass keiner derjenigen, welche über den KAZ wettern, jemals einen verwendet hat, noch sich eingehend mit der Sache beschäftigt hat, sonst käme es nicht zu teilweise schlicht unzutreffenden Aussagen über das Konzept KAZ.

Exemplarisch ist hier das immer wieder gebrachte Argument, dass ein KAZ Ratten anlocken würde. Dabei ist das exakte Gegenteil der Fall. Die kleinen Partikel aus einem KAZ sind für Ratten vollkommen uninteressant. Ratten sind nur an größeren Sachen und Speiseresten interessiert. Z.B. an solchen, die ihnen in der Biotonne und auch in der Restmülltonne angeboten werden. Es wurde nachgewiesen, das der Einsatz von KAZ das Nahrungsmittelangebot für Ratten vermindert und so auch deren Population.

Man wundert sich dann nicht mehr, dass selbst das Argument des "zusätzlichen" Energieverbrauchs herhalten muss. Hier dürften in einem 4 Personenhaushalt Kosten von maximal 50 Cent zusammenkommen.

Ebenso hält sich der vermutete "zusätzliche Wasserverbrauch" in Höhe von ca. 1 m3 pro Person sehr in Grenzen. In vielen Fällen wird sich der Verbrauch sogar vermindern, denn es werden ja keine Speisereste über das WC mehr entsorgt.

Alles in allem ist das schon eine seltsame Sache, die mich in Teilen an die Vorgänge um die erste deutsche Telefon CD erinnert, die 1995 auf den Markt kam. Die TELEKOM konnte nicht oder wollte nicht, so dass dann eben ein privates Unternehmen die Sache in die Hand genommen hat. Dieses Unternehmen wurde massiv angefeindet und letztendlich auch zerstört. In der Presse konnte man allerlei Unsinn lesen. Es dauerte dann eine Weile bis nun auch die TELEKOM in der Lage war, eine Telefon CD herzustellen. Der private Konkurrent konterte mit einer CD, welche die Möglichkeit der Rückwärtssuche nach Telefonnummer bot. Daraufhin hatte man sich erst recht auf diesen Anbieter eingeschossen und alle waren in höchster Aufruhr, von wegen Datenschutz und so. Man sah den Untergang des Abendlands voraus. Und was ist heute? Wer sich heute eine CD der TELEKOM kauft oder dasoertliche.de aufruft, der kann genau das tun, was für die TELEKOM und viele Zeitgenossen des Teufels war.

Mit anderen Worten: Die Zeiten ändern sich (wenn auch in Deutschland besonders langsam) und man kann ja auch einmal neue Wege gehen. Nicht alles was man früher mit Zähnen und Klauen verteidigt hat, war es auch wert.

Wenn ein sicher verdienter Mann, wie Herr Bucksteeg vor über 40 Jahren eine Aussage gemacht hat, die schon damals nicht unbedingt so zugetroffen haben muss, dann muss man das alles doch nicht auf ewig fortschreiben. Die von ihm damals aufgestellten Argumente gegen KAZ halten fast alle einer näheren Überprüfung nicht stand. Trotzdem findet man in praktisch Abwassersatzungen die entsprechenden Passagen. Schön wenn man eine Mustersatzung hat, die man immer abschreiben kann.

Allein aus Umweltschutzgründen ist es nicht sinnvoll auf einen KAZ zu verzichten. Ich kann diese Geräte nur empfehlen. Insbesondere empfehle ich einen KAZ denjenigen, die oft Probleme mit dem Abfluss haben und jedes Jahr so ihre 200-500 EUR an den Abflussnotdienst zahlen. Wer einen KAZ im Einsatz hat und bei dem die Leitungen noch nicht zu sehr verstopft sind (wegen der Fettablagerungen vom Spülwasser), der sollte sich einen KAZ kaufen. Garantiert gibt es keinen Ärger mehr mit dem Abflussnotdienst. Das viele Geld kann man sich ab sofort sparen. Der KAZ hält die Leitungen frei und das ohne jede Chemie.


>Die Antwort steht eigentlich schon in der Frage: Abfallzerkleinerer !
>In Deutschland wird klar zwischen Abfall und Abwasser unterschieden. Siehe Definitionen und Gesetze (Wasser- und Abwassergesetze der Länder).
>In diesem Fall geht es um Küchenabfälle, dann vielleicht Haushaltsabfälle usw.
>Wirtschaftlich gesehen, werden Abfälle kostengünstiger entsorgt als entsprechende Abwässer.
>Es ist zwar schön in den USA, den Küchenmüll in den Abwassermixer zu entsorgen, ich habe es selbst erlebt,unter dem Motto: my home is my castle, aber die Abwasserleute haben die Arbeit und die Kosten.

Peter Bergler

unregistriert

5

Freitag, 8. Juni 2007, 15:16

Re: Küchenabfallzerkleinerer (KAZ)

Hallo ha,

danke für das Posting.

Nur gut, dass ein KAZ die Abfälle so klein macht, so dass diese von Ratten nicht mehr angenommen werden. Die schlauen Nager holen sich dann eben ihr Futter aus der Biotonne, vom Restmüll oder dem Komposthaufen im Garten.

In keinem Fall kommt es wegen KAZ zu einem Ansteigen der Rattenpopulation.

Die Ehefrau möchte ich sehen, welche einen KAZ wieder hergibt, wenn dieser einmal eingebaut ist.

Gruss
Peter Bergler


>Hallo Peter Bergler
>Ein Zerkleiner für Küchenabfälle ist eine tolle Sache, aber werden diese Essensreste auch in die Kanalisation gespühlt. Dort leben die Ratten die bekommen noch mehr Angebot an Nahrung. Es sollten keine Essensreste deshalb in die Kanalisation gegeben werden ob in ganzer oder in zerkleinerter Form.
>Ich hoffe das ist ein Argument.
>Gruß
>ha

E.Köppen

unregistriert

6

Montag, 11. Juni 2007, 03:10

Re: Küchenabfallzerkleinerer (KAZ)

Man kann jetzt natürlich stundenlang über das Thema diskutieren, auch bei den Römern anfangen.
Wichtig sind doch wirtschaftliche Belange.Entscheidend ist doch, daß organische Abfälle kostengünstiger entsorgt werden können (Kompost,Verbrennung), als entsprechend belastete Abwässer.
Letztendlich haben wir in DEutschland auch Gesetze, wie ich schon berichtete, Abfall- und Abwassergesetze, die auch ihre Exististenzberechtigung haben. Wollen wir denn zerkleinerte Abfälle in die Flüsse leiten ?? Ich selbst bin Angler, sollen die Fische , die ich fange Aluminiumfolien oder Kunststofffolien fressen ??
Gruß E.K.


Micky

unregistriert

7

Montag, 11. Juni 2007, 14:10

Re: Küchenabfallzerkleinerer (KAZ)

Hallo,

wenn man möchte, dass diese KAZ hier in Deutschland zugelassen werden, muss man sich an die Regierung wenden und eine Änderung der Gesetze anstoßen. Hier lange Beiträge über Sinn und Zweck dieser Dinge zu schreiben, scheint da nicht der erfolgversprechende Weg.

Gruß
Micky

Peter Bergler

unregistriert

8

Montag, 11. Juni 2007, 15:17

Re: Küchenabfallzerkleinerer (KAZ)

>Man kann jetzt natürlich stundenlang über das Thema diskutieren, auch bei den Römern anfangen.

Der Hinweis auf die Historie erfolgte deswegen, weil sich die Dinge eben im Lauf der Geschichte eben ändern (müssen). Was heute "richtig" ist, kann morgen schon falsch sein.

>Wichtig sind doch wirtschaftliche Belange.Entscheidend ist doch, daß organische Abfälle kostengünstiger entsorgt werden können (Kompost,Verbrennung), als entsprechend belastete Abwässer.

Die Praxis und viele Studien haben gezeigt, dass "unterm Strich" das System KAZ das effizienteste und günstigste System darstellt.

Ich rechne mit Einsparungen von 50-200 EUR p.a. pro Haushalt.

>Letztendlich haben wir in DEutschland auch Gesetze, wie ich schon berichtete, Abfall- und Abwassergesetze, die auch ihre Exististenzberechtigung haben.

Gesetze und Verordnungen sind nicht statisch und dürfen es auch nicht sein, sonst würde jegliche Entwicklung erstickt.

Zitat aus einer aktuellen Dissertation (summa cum laude bewertet)zum Thema:

"Jenseits der gegenwärtigen Rechtsformulierungen stellt sich damit die Frage, ob die Nutzung von KAZ abfall- bzw. abwasserwirtschaftlich sinnvoll ist. Die RechtsDiskussion 135 formulierungen sollten sich an der Antwort dieser Frage orientieren. Die Antwort der Frage darf jedoch nicht anhand der bestehenden Rechtsformulierungen erfolgen, wie es gelegentlich zur Verteidigung des De-facto-Verbotes von KAZ geschieht. Es ist in hohem Maße entwicklungshemmend, wenn man die Auffassung vertritt, etwas sei (un)vernünftig, weil es genau so in den Regelwerken steht. Vielmehr sollte man zunächst prüfen, was (un)vernünftig ist, und die Regelwerke daran ausrichten.

Mit dieser Arbeit wurde der Versuch unternommen, fehlendes Wissen zur komplexen Problematik der Küchenabfallentsorgung zusammenzutragen. In Teil A wurde bereits einleitend auf die Bewertungsmaßstäbe hingewiesen, die nach der VDI-Richtlinie 3780 bei der Bewertung neuer Technologien berücksichtigt werden sollten. Im folgenden werden diese Stichpunkte erneut aufgegriffen und im Lichte der Untersuchungsergebnisse diskutiert."


>Wollen wir denn zerkleinerte Abfälle in die Flüsse leiten ?? Ich selbst bin Angler, sollen die Fische , die ich fange Aluminiumfolien oder Kunststofffolien fressen ??

Wie bereits ausgeführt, kann man mit einem KAZ ausschließlich Bioabfall verarbeiten, jedoch kein Verpackungsmaterial. Jedoch findet man nach Strakregenereignissen in den Bächen stets allerlei Dinge die dort nicht hingehören: Binden, Kondome, massenhaft Klopapier.

Ein KAZ trägt definitiv nicht dazu bei, dass sich mehr Rechengut in einer Kläranlage findet. Wenn man etwas gegen Abfall im Abwasser hat, sollte man zuerst sein Augenmerk auf das WC richten.

Gruss P.B.


>Gruß E.K.
>
>

Peter Bergler

unregistriert

9

Montag, 11. Juni 2007, 21:16

Warum ist das so schwer? KAZ

Hallo,
unter uns gesagt, wissen wir doch alle, dass "die Regierung" selbst nur über rudimentären Sachverstand verfügt. Politiker eben. Die machen nur das, von dem Ihnen ihnen ihr Instinkt verrät, dass man damit Wahlen gewinnen kann (man selbst nach vorn kommt). Der Rest ist diesem Teil der Bevölkerung doch nun wirklich relativ egal.

Daher:
Mich interessiert einzig und allein, was die Intelligenzia der Abwasserprofis zum Thema KAZ zu sagen hat. Welche oberflächlichen und auch fundierten Aussagen es gibt.

Von Änderungen bei Gesetzen braucht man nicht zu sprechen. Obendrein ist es Sache der Zweckverbände und Kommunen was diese in ihre Satzungen schreiben. Die können die Mustersatzung beibehalten oder aber sich KAZ gegenüber etwas aufgeschlossener zeigen.

Für mich ist es eben ein Mysterium weshalb man sich in Abwasserkreisen so feindselig zeigt. Man ist ja nicht einmal bereit die einfachsten und klarsten Fakten nur einmal zur Kenntnis zu nehmen.

Insofern finde ich die Anmerkung des anderen Postes in diesem Thread, dass die Amis angeblich so eine Art "My home is my castle" mentalität hätten ganz aufschlussreich.

Tatsächlich scheint es so zu sein, als ob die Betreiber von Kläranlagen, Kanalrohren, Müllverbrennungsanlagen, Komposthöfen, usw. der Meinung zu sein, der Geldbeutel der Bürger und deren Anspruch an den Komfort gehöre ihnen.

Nun, das ist nicht der Fall: Der Bürger kann selbst entscheiden ob er sich mit stinkenden und verschimmelten Bioeimern herumärgern will oder ob er einen KAZ in Erwägung zieht und so obendrein viel Geld spart, weil der Abflussnotdienst nie wieder auf der Matte steht (zumindest nicht wegen der Küchenabwässer), weil das Restmüllvolumen um bis zu 80% weniger wird (und damit auch die Kosten dafür). Auf den wöchentlichen stinkenden Mülllaster für die Biotonnen könnte man dann komplett verzichten.

In der Kläranlage könnte man sich das Nachverschmutzen sparen und die Biogasproduktion verdoppeln.

Wenn dazu die Betriebsweise der Anlage geändert werden muss. Na und?

Dann muss sich die Betriebsmannschaft eben umstellen. Das muss sie auch, wenn sich die chemische Industrie wieder neue Wässerchen hat einfallen lassen, damit man die gute Stube oder die Hemden noch sauberer bekommt als zuvor.

Entsorgungsbetriebe sind Dienstleister am Bürger und haben daher das zu tun, was dem Bürger nützt und was dieser will. Der Bürger hat hier das Sagen, denn er bezahlt das ganze ja auch.

Wie in umfangreichen (teilweise extrem aufwändigen LCAs) bewiesen wurde, ist das System KAZ überlegen.

In der neuesten deutschen Studie wird das System der getrennten Abfahrt von Abfällen und die Verwertung in Biogasanlagen noch besser bewertet. Nur bleibt dann der Nutzer wieder auf dem Dreck sitzen und das wollen viele eben nicht, wie man anhand des Rechenguts in Kläranlagen unschwer erkennen kann. Ebenso sieht man anhand der Massen an Bioabfall im Restmüll, dass die Leute keinen rechten Bock auf die Biotonne haben.

Das was man dem System KAZ anlastet, nämlich ein Auswuchs des Konsumeitalters zu sein, das trifft auf die Biotonne zu. Man leistet sich riesige Mengen Fahrkilometer um Dinge abzuholen, die man viel besser über den Kanal entsorgen oder auf dem Grundstück kompostieren könnte.

In England bekommt man sogar eine Stange Geld, wenn man sich einen KAZ zulegt.

Ich denke die Kläranlagen im Königreich arbeiten ähnlich wie die unseren. Wo ist also das Problem?


>Hallo,
>wenn man möchte, dass diese KAZ hier in Deutschland zugelassen werden, muss man sich an die Regierung wenden und eine Änderung der Gesetze anstoßen. Hier lange Beiträge über Sinn und Zweck dieser Dinge zu schreiben, scheint da nicht der erfolgversprechende Weg.
>Gruß
>Micky

Micky

unregistriert

10

Dienstag, 12. Juni 2007, 13:32

Re: Warum ist das so schwer? KAZ

Hallo Peter,

um es noch einmal ganz deutlich zu sagen: Abfall ist gesetzlich Abfall und Abwasser ist Abwasser. Abfall ist nach den Gesetzen für die Abfallbeseitigung zu entsorgen und darf deshalb nach eben diesen Gesetzen nicht in die Kanalisation eingeleitet werden. Daran dürfen die Gemeinden und Kläranlagenbetreiber nichts ändern, weil es durch höherrangige Gesetze verboten ist. Also, was soll die Diskussion. Ohne Gesetzesänderung, ob diese sinnvoll ist oder nicht, können die Gemeinden den Gebrauch der KAZ nicht zulassen, würden sie es tun, würden ihre Satzungen gegen höherrangiges Recht verstoßen und das hätte sehr üble Folgen für die Gemeinde!! Also musst Du, wenn Du was ändern willst, eine Gesetzesänderung in Gang bringen, anders geht es nicht und es ist müßig, sich darüber zu unterhalten.

Gruß
Micky

hollie

unregistriert

11

Dienstag, 12. Juni 2007, 16:37

Re: Warum ist das so schwer? KAZ

Wer braucht denn allen Ernstes einen KAZ?
Niemand!!
Wir haben doch jetzt schon genügend technischen Schnickschnack zu Hause, der uns über die Stromrechnung ständig laufende Kosten beschert.
Jeglicher unsinnige Mehraufwand wird sich schwer auf den Geldbeutel von uns allen auswirken.

Im übrigen hinkt der Vergleich mit Staaten wie den USA, in denen noch nicht einmal die Trennung von Müll bekannt ist, doch sehr stark.
Das Umweltbewusstsein ist dort meiner Meinung nach noch sehr unterentwickelt.

Über den gesetzlichen Aspekt, dass eben keine Abfälle (Feststoffe) über das Abwasser entsorgt werden dürfen, bedarf es keinerlei philosophischer Diskussion. Damit ist der Rahmen vorgegeben, woran man sich orientieren muss. Änderungen sind nicht zu erwarten und wären im Sinne einer Zulassung von KAZs auch nicht zu erhoffen.

Gruß
hollie

Wasser-Wissen-Team

unregistriert

12

Dienstag, 12. Juni 2007, 18:56

Re: Warum ist das so schwer? KAZ

Liebe Forum-Teilnehmer,

es ist sehr erfreulich, dass das Thema "KAZ" zu einer derart lebhaften Diskussion geführt hat. Vielen Dank.

Das Institut für Umweltverfahrenstechnik wurde direkt angesprochen, sich zum Thema "KAZ" zu äußern, was wir hiermit gerne tun.

Zumindest in Deutschland gilt das bewährte Prinzip der getrennten Entsorgung von festen und flüssigen häuslichen Abfällen.
Der Einsatz von "KAZ's" würde dazu im klaren Widerspruch stehen.
Es wäre mit weitreichenden Auswirkungen zu rechnen:
Angefangen von der Verstopfungsgefahr in den häuslichen Abwasserleitungen und dem öffentlichen Kanalsystem bis hin zu den notwendigen Erweiterungen bei den kommunalen Kläranlagen hinsichtlich Feststoffabtrennung und der Problematik der Schlammentsorgung ist mit einer Reihe von nachteiligen und kostspieligen Effekten zu rechnen.

Bei der ganzen Diskussion sollte nicht vergessen werden, dass in den Kläranlagen vor der eigentlichen Abwasserbehandlung eine Fest-Flüssig-Trennung vorgenommen wird. In der Praxis reicht dazu bei den derzeitigen Kläranlagenzuläufen üblicherweise ein System aus Rechen und Sandfang aus.
Eine Zulassung von KAZ's würde wegen der zu erwartenden höheren Feststofffrachten eine auf die geänderte Zusammensetzung des Abwassers abgestimmte Feststoffabtrennung erforderlich machen, die sich nicht unerheblich in den bereits jetzt schon hohen Abwassergebühren niederschlagen würde.

Abgesehen von technischen Überlegungen erscheint es wenig sinnvoll, Küchenabfälle mit einem KAZ (Mazerator) zu zerkleinern und dann mit dem Spülwasser in den Kanal zu leiten, um sie schließlich in einer Kläranlage mit teurem Aufwand wieder vom Wasser zu trennen.

Die Verbraucher hätten überdies wohl auch kaum ein Interesse daran, mit höheren Gebühren für vermeidbare Mehraufwände in Kläranlagen belastet zu werden.
Es stellt sich vielmehr die Frage, worin der Nutzen für den Verbraucher liegt, eine "KAZ" im eigenen Haushalt zu installieren.

Hinzu kommt, dass das Kanalsystem nur in den seltensten Fällen für den Transport von noch höheren Feststoffgehalten im Abwasser ausgelegt ist. Bedenken sollte man bei den ganzen Überlegungen, dass bereits jetzt hat der Trend zum Wassersparen, was aus ökologischer Sicht sehr zu begrüßen ist, dazu geführt hat, dass so manche Abwasserfracht quasi "auf der Strecke" bleibt.

Entgegen der in diesem Thread geäußerten Meinung ist doch zu erwarten, dass die Erhöhung der Feststofffracht und damit des Nahrungsangebots zu größeren Rattenpopulationen im Kanalsystem führt.

Zu einer vorhergehenden Mail sei noch angemerkt, dass in einer Kläranlage keinerlei "Nachverschmutzung" stattfindet.


Eine weiterhin angeregte Diskussion wünscht
das Wasser-Wissen-Team

Peter Bergler

unregistriert

13

Dienstag, 12. Juni 2007, 20:46

Re: Warum ist das so schwer? KAZ

>Zumindest in Deutschland gilt das bewährte Prinzip der getrennten Entsorgung von festen und flüssigen häuslichen Abfällen.

Theoretisch ja, praktisch sehr oft NEIN. Die Abwasser-Profis sind herzlich eingeladen sich einmal den Inhalt einer typischen Restmülltonne anzusehen, ebenso den Inhalt der angeblich so gut funktionierenden Biotonnen. In beiden finden sich erhebliche Mengen Fremdstoffe. Je dichter die Bebauung und je höher die Häuser, desto größer das Problem. Insbesondere der Küchenabfall ist ein großes Hemmnis bei einer verantwortungsvoll gehandhabten Mülltrennung. Das ist keine Theorie sondern erprobte Praxis.

>Der Einsatz von "KAZ's" würde dazu im klaren Widerspruch stehen.

Es kommt darauf an, der Problematik der Abfallentsorgung auf eine Weise gerecht zu werden, die den Ansprüchen des Bürgers entspricht. Der Bürger bezahlt das alles und kann daher sagen wo und wie es lang geht. Es kommt nicht darauf an, dass sich etwa der Betreiber einer Kläranlage weigert „seine“ Anlage auf neue Verhältnisse umzustellen. Das muss der Mann einfach tun, weil es seine Kunden verlangen. So einfach ist das. Aussagen, wie die von E. Köppen
„aber die Abwasserleute haben die Arbeit und die Kosten.“
sind einfach ungebührlich und haben mit der Realität wenig zu tun. Aus Sätzen wie diesen kann man die Einstellung der kommunalen Dienstleister gegenüber ihren eigentlichen Chefs, nämlich den Gebührenzahlern erkennen. Man interessiert sich überhaupt nicht für das was der Zwangskunde will. Überspitzt könnte man ja fast sagen, dass es anscheinend nur darum gehen könnte eine ruhige Kugel zu schieben. Nur ja nichts Neues nur ja keine Veränderung. Und wenn dann haben die Kunden die Kosten und nicht die „Abwasserleute“. Die Kunden haben übrigens auch dann die Kosten, wenn sich die „Abwasserleute“ ein wenig verrechnet haben und die Anlagen falsch dimensioniert wurden. Ich bin ja Laie und kenne mich nicht so aus, aber angeblich sind beim Betrieb einer Anlage 80% Fixkosten, die auch dann anfallen wenn nicht ein Klo gespült wird.

>Es wäre mit weitreichenden Auswirkungen zu rechnen:
>Angefangen von der Verstopfungsgefahr in den häuslichen Abwasserleitungen und dem öffentlichen Kanalsystem

Das exakte Gegenteil ist der Fall. Jeder Praktiker weiß, dass häusliche Abwasserleitungen in 99% aller Fälle wegen genau einer Ursache verstopfen: Gelöstes Fett im Spülwasser setzt sich nach und nach an den Wandungen der Leitungen fest und macht mehr oder weniger schnell dicht. Es handelt sich dabei nicht um Fett aus der Pfanne oder die geleerte Friteuse. Es ist das ganz normale Fett vom Teller, der Pfanne. Nur wenige machen sich die Mühe und putzen die Teller bevor diese in die Spülmaschine kommen (dann hätten wir wieder jede Menge überflüssiges Küchenkrepp welches entsorgt werden muss).
Ein KAZ reinigt die Leitungen und verstopft sie nicht. Auch das ist millionenfach erprobte Praxis. Sämtliche Leute mit KAZ die ich kenne, hatten nach dem Einbau nie wieder Probleme mit Verstopfungen. Nicht einer. Es sei denn anfangs waren die Leitungen schon fast zu wegen der Fettablagerungen und der KAZ konnte das abgelagerte Fett nicht mehr mitreißen. Ansonsten spart man einen Haufen Geld wenn der Abflussnotdienst nicht mehr kommen muss.
bis hin zu den notwendigen Erweiterungen bei den kommunalen Kläranlagen hinsichtlich Feststoffabtrennung und der Problematik der Schlammentsorgung ist mit einer Reihe von nachteiligen und kostspieligen Effekten zu rechnen.
Es gibt nicht eine Literaturstelle und nicht einen Praxisbericht, in dem von einer durch KAZ verursachten Verstopfung berichtet würde. KAZ verursachen diese Probleme schlicht nicht. Das ist ein Faktum. Da hilft das ganze Herbeibeten von vermeintlichen Problemen nicht. Wenn es die Probleme nicht gibt, dann gibt es sie nicht.

>Bei der ganzen Diskussion sollte nicht vergessen werden, dass in den Kläranlagen vor der eigentlichen Abwasserbehandlung eine Fest-Flüssig-Trennung vorgenommen wird. In der Praxis reicht dazu bei den derzeitigen Kläranlagenzuläufen üblicherweise ein System aus Rechen und Sandfang aus.

Es ist abwassertechnisch absolut kein Problem mit den zusätzlichen Frachten aus dem KAZ zurechtzukommen. Es wäre unfair ein gewisses Maß an Anpassungsvermögen bei einem geänderten Betrieb der Anlage zuzutrauen.

>Eine Zulassung von KAZ's würde wegen der zu erwartenden höheren Feststofffrachten eine auf die geänderte Zusammensetzung des Abwassers abgestimmte Feststoffabtrennung erforderlich machen, die sich nicht unerheblich in den bereits jetzt schon hohen Abwassergebühren niederschlagen würde.

Sofern es deswegen überhaupt Kostensteigerungen geben würde, wären diese marginal.

>Abgesehen von technischen Überlegungen erscheint es wenig sinnvoll, Küchenabfälle mit einem KAZ (Mazerator) zu zerkleinern und dann mit dem Spülwasser in den Kanal zu leiten, um sie schließlich in einer Kläranlage mit teurem Aufwand wieder vom Wasser zu trennen.

Immer ist vom „teuren“ Aufwand die Rede. Der Aufwand ist aber nicht „teuer“.

>Die Verbraucher hätten überdies wohl auch kaum ein Interesse daran, mit höheren Gebühren für vermeidbare Mehraufwände in Kläranlagen belastet zu werden.
>Es stellt sich vielmehr die Frage, worin der Nutzen für den Verbraucher liegt, eine "KAZ" im eigenen Haushalt zu installieren.

Den deutschen Verbraucher möchte ich sehen, der einen KAZ freiwillig wieder hergibt, wenn er oder sie ihn erst einmal ein paar Tage verwendet hat. Allein die Ersparnis hinsichtlich des Restmülls, kein Gestank mehr in der Küche, usw.

>Hinzu kommt, dass das Kanalsystem nur in den seltensten Fällen für den Transport von noch höheren Feststoffgehalten im Abwasser ausgelegt ist.

Wie bereits erwähnt gibt es weltweit keine Literaturstelle in der es wegen KAZ zu einem Problem gekommen wäre. Sofern es Probleme geben sollte, bleiben auch Fezes liegen, das ist dann Ärger genug. In diesem Fall brauche ich mir wegen zerkleinerter gelber Rüben keine Sorgen zu machen.

>Bedenken sollte man bei den ganzen Überlegungen, dass bereits jetzt hat der Trend zum Wassersparen, was aus ökologischer Sicht sehr zu begrüßen ist, dazu geführt hat, dass so manche Abwasserfracht quasi "auf der Strecke" bleibt.

Wieso ist per se das Wassersparen aus ökologischer Sicht zu begrüßen? In sehr vielen Gegenden ist Wassersparen als Selbstzweck vollkommen sinnlos. Es handelt sich um eine erneuerbare Resource (wenn man nicht gerade fossiles Wasser verprasst wie in Lybien). Wozu soll da Sparen gut sein?
Z.B.

http://www.is-kassel.org/unser-wasser-kassel/presse/2005/april2005/wassersparen.htm

>Entgegen der in diesem Thread geäußerten Meinung ist doch zu erwarten, dass die Erhöhung der Feststofffracht und damit des Nahrungsangebots zu größeren Rattenpopulationen im Kanalsystem führt.

Jetzt bitte! Wollen wir doch vernünftig bleiben und nicht auch noch dieses komplett unsinnige Argument breittreten. Rattus norvegicus hat nicht das geringste Interesse an den kleinen Krümeln die ein KAZ übrig lässt. Das Zeug ist für die Viecher nicht der Mühe wert. Die haben nämlich mehr als genug Grips sich vernünftiges Futter zu suchen, z.B. die ins Klo gekippten Kartoffeln, oder die Reste des Sonntagsbratens aus der Restmülltonne oder die angefaulten Bananen aus der Biotonne. Auf solche Sachen sind Ratten erpicht.

>Zu einer vorhergehenden Mail sei noch angemerkt, dass in einer Kläranlage keinerlei "Nachverschmutzung" stattfindet.

Was passiert denn dann bei der Nitrifikation? Klingt "Nachverschmutzung" hier etwas zu wenig wissenschaftlich?

Sämtliche bisher vorgebrachten Argumente sind nicht stichhaltig.

Mann kann sich einer Sachfrage nicht auf eine Weise stellen, indem man längst widerlegte Argumente einfach so wiederholt. Es gibt z.B. weder ein Rattenproblem, noch ein Verstopungsproblem. Wieso kommt man dann trotzdem damit an?

Wenn ich jetzt gemein sein wollte, dann müsste man bei jedem KAZ Kritiker zuhause einen solchen einbauen und drei Monate drin lassen. Es besteht nicht der Hauch eines Zweifels, das sich jede Frau scheiden lassen würde, wenn der werte Gatte den KAZ wieder ausbauen würde.

Peter Bergler

unregistriert

14

Dienstag, 12. Juni 2007, 21:07

Wir in Deutchland die Saubermänner?

>Wer braucht denn allen Ernstes einen KAZ? Niemand!!

Die Antwort des Praktikers lautet: Jeder der noch keinen hat.
Hattest du schon einmal so ein Gerät? Kennst du persönlich jemandenden der einen hat? Falls nicht, wird es höchste Zeit das zu ändern. Das öffnet die Augen.

>Wir haben doch jetzt schon genügend technischen Schnickschnack zu Hause, der uns über die Stromrechnung ständig laufende Kosten beschert.

Ein sehr guter Hinweis. Was alles haben wir denn so daheim? Den DSL-Router bespielsweise, welcher per Anno sicher seine 20-30 EUR verbraten würde. Das Handyladegerät mit seinen 4-10 EUR und all der andere Kram. Kein Wunder dass der durchschnittliche 4-Personenhaushalt mit den Spiele PCs der lieben Kleinen mit 4000 kWh rechnen muss. Ein KAZ verbraucht ca. 50 Cent Strom p.a. Gibt es wegen dieser 50 Cent also noch fragen? Wer ist der erste, der beim Kühlschrank den Stecker zieht oder beim neuen HDTV-Plasma von ALDI?

>Jeglicher unsinnige Mehraufwand wird sich schwer auf den Geldbeutel von uns allen auswirken.

Ja sicher, die 50 Cent Stromverbrauch reissen es raus. Man spart besonders viel, wenn man im Schnitt alle 1-2 Jahre ein paar Hundert Euro für die Beseitigung der Fettablagerungen aus dem Spülwasser bezahlen muss.

>Im übrigen hinkt der Vergleich mit Staaten wie den USA, in denen noch nicht einmal die Trennung von Müll bekannt ist, doch sehr stark.
>Das Umweltbewusstsein ist dort meiner Meinung nach noch sehr unterentwickelt.

"What utter nonsens" würde Margret Thatcher sagen. Auch wenn es mancher deutschen Seele nicht zusagt, die Amis sind eben nicht die Umweltverheerer, als die man sie nur zu gerne brandmarken würde. In der Klärwerkstechnik sind die Jungs makellos.

Schon vergessen wer den Abgas-KAT eingeführt hat und wann?
Schon vergessen wer sich mit Händen und Füssen gegen den Diesel-Partikelfilter gesträubt hat?
Man sollte mit pauschalen Verurteilungen vorsichtig sein. Wer im Glashaus sitzt...

Das Umweltbewußtsein ist bei John Smith garantiert nicht weniger entwickelt als bei Helmut Krause.


>Über den gesetzlichen Aspekt, dass eben keine Abfälle (Feststoffe) über das Abwasser entsorgt werden dürfen, bedarf es keinerlei philosophischer Diskussion.
Damit ist der Rahmen vorgegeben, woran man sich orientieren muss. Änderungen sind nicht zu erwarten und wären im Sinne einer Zulassung von KAZs auch nicht zu erhoffen.

So so. Wie würdest du folgende Sätze interpretieren:

"Die Zuführung zerkleinerter Küchenabfälle wird damit für unzulässig erklärt. Es muss jedoch eingeräumt werden, dass bei strenger Auslegung dieser Formulierung die Zuführung feststoffhaltiger Abwässer generell untersagt ist. Der überwiegende Teil der Abwasserschmutzstoffe liegt in partikulärer Form vor und würde in isolierter Form dem einen oder anderen der oben aufgeführten Abfallstoffe entsprechen. Die Zuführung von Schlamm ist anhand der Liste untersagt, gleichzeitig ist die Separation des Primärschlamms einer der ersten Schritte im Prozess der Abwasserreinigung.

Zugespitzt lässt sich die Frage stellen:
Ist die Zuführung von Abwasser in ein Abwassersystem zulässig?

Eine Satzungsänderung mit einer genauen Abgrenzung zwischen zulässigen und unzulässigen Abwasserinhaltsstoffen ist in jedem Fall überlegenswert."


Gruß
Peter

Peter Bergler

unregistriert

15

Dienstag, 12. Juni 2007, 21:54

Re: Warum ist das so schwer? KAZ

Hallo Mickey,
ich denke nicht dass es müssig ist, sich über Änderungen tradierter Verhaltensweisen zu unterhalten. Jeder weiß doch nur zu genau, dass zu allerletzt die Politiker sind, welche mit wirklich neuen Ideen aufwarten.

Kein Politiker wird also hergehen und über Dinge reden, von denen er nicht mit Sicherheit sagen kann, dass er damit vor den Wählern und der Partei punkten kann.

Die Klimaleute mussten 50 Jahre lang Klinken putzen, bis sie nun plötzlich von den "Volksvertretern" wahrgenommen wurden. Der arme Al Gore weiß wahrscheinlich gar nicht wie ihm geschieht (obwohl selbst Politiker). Leute wie Gabriel, Söder und Konsorten kümmern sich doch nicht ernsthaft um der Sachfragen willen. Es geht immer und immerdar nur darum, sich für sich selbst was rauszuschlagen, sei es Geld oder sei es Macht.

Bezogen auf den KAZ ist garantiert nicht zu erwarten, dass sich irgendein Politiker der Sache annähme. In den USA ist das genaue Gegenteil der Fall. Dort würde sich niemand trauen irgendwas gegen KAZ zu unternehmen, geschweige denn diese dort zu verbieten, wo sich die Leute daran gewöhnt haben.

Im Übrigen ist es wirklich müssig sich darüber zu unterhalten was denn nun Abwasser ist und was Abfall. Natürlich weiß jeder, dass der Deutsche einen latenten Hang dazu hat Dinge nur um ihrer selbst willen zu tun, mögen diese auch noch so sinnlos sein.

Wenn man also meint sich darüber auslassen zu müssen, wie man den Begriff Abwasser definiert, dann muss man es sich auch gefallen lassen beim Wort genommen zu werden.

Streng genommen dürfte man ja nicht einmal Klopapier verwenden, denn z.B. gibt es ja auch Klobrillen mit eingebauter Reinigungsfunktion für delikate Körperteile. Hier würde nur Wasser verbraucht. Oder man könnte das Klopapier auch separat sammeln und entsorgen. So würde die unzulässige Vermischung von Stoffen vermieden und "wertvolles" Trinkwasser gespart.

Offensichtlich ist man in den angelsächsischen Ländern etwas pragmatischer veranlagt und beurteilt die Dinge mehr nach deren Eignung für bestimmte Zwecke.

Und bitte: Der Hinweis auf anzustrebende Gesetzesänderungen ist doch vollkommen sinnlos. Das weist du doch auch. Es ist wenig zweckdienlich damit eine Diskussion abzuwürgen.

Mal ehrlich: Wo würden wir heute stehen, wenn man immer darauf gewartet hätte, dass bei den Politikern der Groschen fällt?

Diese Leute schicken doch immer zuerst die Minenhunde vor und treten dann in den Vordergrund wenn sie damit rechnen, dass sie für ihre Karriere was rausholen können. Sonst passiert da nichts.

Gruss
Peter

>Hallo Peter,
>um es noch einmal ganz deutlich zu sagen: Abfall ist gesetzlich Abfall und Abwasser ist Abwasser. Abfall ist nach den Gesetzen für die Abfallbeseitigung zu entsorgen und darf deshalb nach eben diesen Gesetzen nicht in die Kanalisation eingeleitet werden. Daran dürfen die Gemeinden und Kläranlagenbetreiber nichts ändern, weil es durch höherrangige Gesetze verboten ist. Also, was soll die Diskussion. Ohne Gesetzesänderung, ob diese sinnvoll ist oder nicht, können die Gemeinden den Gebrauch der KAZ nicht zulassen, würden sie es tun, würden ihre Satzungen gegen höherrangiges Recht verstoßen und das hätte sehr üble Folgen für die Gemeinde!! Also musst Du, wenn Du was ändern willst, eine Gesetzesänderung in Gang bringen, anders geht es nicht und es ist müßig, sich darüber zu unterhalten.
>Gruß
>Micky

Kegebein

unregistriert

16

Mittwoch, 13. Juni 2007, 02:05

Re: Warum ist das so schwer? KAZ

Liebe Teilnehmer dieser Diskussion,

Nachdem meine Dissertation zum Thema nun mehrfach von Peter Bergler genannt wurde, würde ich gerne einige klärende Worte zu diesem komplexen Thema ergänzen:
Ich habe den Themenkomplex "Nutzung von Küchenabfallzerkleinerern" während meiner Arbeit am Institut für Siedlungswasserwirtschaft, Uni Karlsruhe, eingehend untersucht. Vorweg nehmen möchte ich dabei, dass ich die Arbeit ohne irgendwelche Co-Finanzierung durch bestimmte Interessensgruppen durchgeführt habe. Auch gegenwärtig habe ich weder einen Nutzen noch einen Nachteil durch eine etwaige Verbreitung von KAZ. Ich bin schlicht in einer anderen Branche tätig. Die folgenden Ausführen sind das schlichte ERgebnis meiner UNtersuchungen:

Wie kommt man auf solch ein Thema:
Als Wissenschaftler im Bereich Abwasser bin ich häufig mit KLäranlagenbetreibern konfrontiert gewesen, die nach günstigen Lösungen für sogenannte externe-C-Quellen gesucht haben. Externe C-Quellen, sind Kohlenstoffverbindungen, die in Kläranlagen eingesetzt werden um die Denitrifikation zu befördern (Nicht alle, aber doch einige Kläranlagen setzen das ein). Stoffe, die häufig eingesetzt werden, sind häufig Methanol oder Essigsäure, die für viel Geld eingekauft werden müssen, weil sich im Zulauf nicht genügend C-Verbindungen finden lassen. Die meisten Kläranlagen haben aus dem gleichen Grund ihre Vorklärbecken verkleinert. Vorklärbecken sind einfache Absetzbecken, der abgestzte Schlamm wird auf modernen Anlagen vergoren und das Biogas verstromt.
Durch den Prozess der Denitrifikation wird diese Energiequelle gedrosselt, da die kohlenstoffhaltigen Feststoffe im Belebungsbecken benötigt werden.
Anstelle eines Beitrags zur Energieerzeugung bewirken sie nun einen Energieverbrauch, da die C-Verbindungen nun oxidiert werden (über den Umweg der Nitrifikation) Die dazu notwendige Belüftung ist der größe Stromverbrauchsposten auf KLäranlagen.
Die Kläranlage im Forschungszentrum Karlsruhe dosiert sogar zerkleinerte Kantinenabfälle in das Belebungsbecken um die gesetzlich geforderte Denitrifikation überhaupt zu erzielen.
Die haben das typische Problem einer Betriebskläranlage, wo die Leute nur Pipi machen und das große Geschäft machen die auf eine andere KLäranlage, ohne den Kohlenstoff läßt sich nun aber keine Nährstoffelimination erreichen.
Der Gedankengang ist nun naheliegend: Um die komplexen Transport- und Dosieraufgaben zu vereinfachen, kann man Küchenabfälle doch gleich in den Kanal geben. Küchenafälle enthalten im Vergleich zu Abwasser fast keine Nährstoffe (Stickstoff und Phosphor)
Chemisch-biologisch sind Küchenabfälle hervorragende C-Quellen, da sie biologisch leicht abbaubar und vollkommen ungifig sind.
Der Gedanke zur Nutzung von KAZ leitet sich folglich aus den Status-Quo der Abwasserreinigung in Deutschland ab: Man führt KAZ ein und stellt die ursprüngliche Leistungsfähigkeit der Vorklärbecken wieder her. Dann gibt es noch genügend Kohlenstoffe für den Abwasserreinigungsprozess, gleichzeitig steigt der Energieertrag durch Biogasverstromung, und das ist Öko-Energie.
Die Ausgangslage ist als vollkommen anders als vor 50 Jahren, als die ersten Negativ-Bewertungen zur KAZ-Nutzung veröffentlicht wurden.

Für die meisten Anlagenkonfigurationen in Deutschland ist eine solche Modifikation durchaus sinnvoll, der bauliche Aufwand ist je nach Ausganglage gering bis vertretbar.
Natürlich ergeben sich bei diesem Konzept zahlreiche Fragestellungen am Rande, viele sind in dieser Diskussion ja bereits angespochen worden. Wasserverbrauch, Energieverbrauch, Ratten, Transport im Kanal, Mischwasserentlastungen, Wirtschaftlichkeit, Ökobilanz:
Ich will kurz die ERgebnisse zusammentragen:
1. Wasserverbrauch: ca. 1m³/Person/Jahr : In einem Wassereichen Land wie Deutschland m.E. vertretbar. Es gibt ironischerweise in der Literatur nur eine In-Situ Untersuchung, d.h. der Wasserverbrauch in einem Testhaushalt wurde vor und nach einer KAZ-Installation gemessen. Nach der Installation war der Verbrauch sogar geringer. Dies kann auf die üblichen Wasserverbrauchsschwankungen zurückgeführt werden, ggf. wurde die Spültoiletten weniger benutzt (Spekulation). Alle anderen Angaben wurden aus Messungen direkt am Gerät abgeleitet und hochgerechnet.
2. Stromverbrauch: Vernachlässigbar! Andere Bequemlichkeitsgeräte wie z.B. Drahtlos-Telefone verbrauchen 50fach bis 100 fach mehr Strom pro Jahr. Die Gerätelaufzeit eines KAZ beträt nach schwedischen Untersuchungen nur 12 Sek/Einwohner/Tag. Rechnet man die Stromerzeugung auf der Kläranlage dagegen, ist die Bilanz sogar positiv. 10 kg Küchenabfall hat etwa einen Energiegehalt wie 1 Liter Benzin!
3.Ratten. Die Verhaltensbiologie der Ratte spricht aus vielen Gründen dagegen, dass Partikel, die weitgehend unter 2mm liegen, überhaupt verwertet werden können. Ratten tragen ihre Beutestücke in eine Behausung - Rattenbau - und überprüfen dort Benagbarkeit ung Genießbarkeit. Die Partikel sind viel zu klein
4. Transport im Kanal: Dazu habe ich eigene UNtersuchungen durchgeführt. Bei Kanälen, die nach den einschlägigen Bemessungsvorschriften errichtet sind, sind keine Probleme zu erwarten.
5. Mischwasserentlastungen: Dieses Argu,ment ist ernstzunehmen, jedoch sollte man deswegen nicht die ganze Diskussion ablehnen
6. Wirtschaftlichkeit: Das SYstem KAZ ist im Vergleich zum SYstem Biotonne deutlich teurer! Allerdings ist die größte Kostenposition die (private) Anschaffung des Gerätes selbst. Die öffentlichen Kosten sind beim System KAZ deutlich geringer. Die Kommunen können Kosten in der Größenordnung von 50% sparen.
7. Ökobilanz: Vergleicht man das SYstem KAZ mit dem SYstem Biotonne+Kompostierung zeigt sich eine deutlich bessere Ökobilanz für das System KAZ. Der Grund: Bei der Kompostierung werden erhebliche Energiemengen zur Zwangsbelüftung aufgewendet, der Energiegehalt wird nicht genutzt sondern nur - unter Aufwendung weiterer Energie - vernichtet. Durch die Stromerzeugung beim System KAZ entsteht im Endeffekt eine neutrale CO2 und Energiebilanz. Das heißt: Während der Lebensdauer eines KAZ wird soviel Ökostrom erzeugt, wie er zur Benutzung der Geräte, aber auch zur Herstellung der Geräte und der Rohstoffe benötigt wird. Bei der KOmpostierung hingegen sind die CO2-Werte erheblich (Der CO2 bei der Kompostierung entsteht zu großen Teilen durch die Stromerzeugung zur Zwangsbelüftung, ist als nicht klimaneutral) Die chemischen Eigenschaften zur landwirtschaftlichen Nutzung sind bei Kompostierung und Vergärung vergleichbar, Kompost enthält jedoch mehr Strukturbestandteile.

Darüber hinaus ist zu bedenken, dass in vielen Gebieten, der Einwurf des Küchenabfalls in die Biotonne gar nicht gewollt ist.

Ich würde mir wünschen, dass das Thema in Zukunft etwas sachlicher diskutiert wird. Für nähere Informationen weise ich noch auf folgendes hin:
Meine Dissertation kann vom Server der Unibibliothek Karlsruhe ohne Gebühr heruntergeladen werden,

Jörg Kegebein



SvenG

unregistriert

17

Mittwoch, 13. Juni 2007, 11:00

Re: Warum ist das so schwer? KAZ

Ach Du Schande ... KAZ als Klimaretter weil bessere CO2 Bilanz als Kompostierung.
Ich glaub jetz wird's albern.

Peter Bergler

unregistriert

18

Mittwoch, 13. Juni 2007, 12:28

Re: Warum ist das so schwer? KAZ

Ich will das nur noch einmal festgestellt haben:

Das Liefern von Frischwasser und das Beseitigen von Abfällen und Abwasser ist eine Dienstleistung, welche von denjenigen zu erbringen ist, welchen diese Aufgabe zugeteilt wurde. Diese Erbringung hat auf eine Weise zu erfolgen, welche den Finanzier des ganzen Betriebs zufriedenstellt.

Hauptaufgabe ist sicher nicht, eine Technik als klimafreundlich oder klimarettend darzustellen.

Am Ende zählt doch nur, ob man die Wünsche der Leute so erfüllen kann, dass man am Ende auch wiedergewählt wird.

Kein Politiker würde es z.B. wagen die Axt an das mobile Telefonieren zu legen. Ebenso würde man sich nie trauen DECT-Telefone zu verbieten, obwohl erwiesen ist, dass diese der Gesundheit alles andere als zuträglich sind.

Wenn nun die Leute wüssten (99,99% der Leute kennen die Geräte nicht), um wie viel bequemer und auch umweltfreundlicher es sich mit einem KAZ lebt, dann würden sich sicher schnell eine Menge Politiker finden, die dann hurtig die Seiten wechseln würden.

Immer schön den kleinen Machiavelli im Kopf: "Klug ist es sich zu drehen und zu wenden nach dem Winde."

Bei den "Sachverständigen" wäre es um keinen Deut anders. Man würde selbstverständlich mit den Wölfen heulen und sich an den sehr praktischen alten polnischen Gruß erinnern: "Ich wünsche dir Gesundheit und ein schlechtes Gedächnis."

Ich kenne vereidigte Gerichtsgutachter, welche je nach Richter (mieterfreundlich oder vermieterfreundlich) vollkommen unterschiedliche Mietgutachten anfertigen. Da staunt man nur noch. In praktisch allen anderen Sachgebieten wird es nicht anders sein. Man schreibt das was der Auftraggeber haben will und basta. Wer zahlt schafft an.

Sofern man sicher sein könnte, dass ein Gutachten PRO-KAZ der Karriere förderlich und für das Portmonaie gut wäre, würde man nicht zögern sich entsprechend zu äußern. Das ist so sicher wie das Amen in der Kirche.

Komme mir bitte keiner mit der Unschuld und Unabhängigkeit der Sachverständigen. Diese gibt es nicht.

Angeblich wurden in den letzten Jahrzehnten von deutschen Kapazitäten der Abwassertechnik mehrere Gutachten zum Thema KAZ erstellt. Diese sind jedoch wohl sämtlich unter Verschluss. Die Leute rücken die Dinger einfach nicht heraus. Da kommt man schon ins Grübeln...

Ich bitte darum sich in Punkto KAZ auf die Fakten zu konzentrieren. Selbstverständlich rettet man mit einem KAZ nicht das Weltklima. Das tut man aber auch nicht in dem man Energiesparlampen verwendet.

Nur wenige Ansätze sind dafür so mächtig, dass sie in diesem Feld tatsächlich Wirkung erzielen.

Fast alle Argumente gegen KAZ sind komplett substanzlos (Ratten, Kosten, Wassersparen, etc.) und ich als Laie stelle mir da nur die Frage (deswegen poste ich auch hier), wie Wasserprofis ganz selbstverständlich über Dinge schreiben, von denen sie - bei allem Respekt - nicht allzu viel verstehen, die sie noch nicht einmal gesehen haben. Von denen sie keine einzige Studie kennen.

Hauptsache man plappert das nach, was so der allgemeine Konsens ist. Also sind wir vorsichtshalber erst einmal dagegen.

Und immer wieder der Hinweis auf Gesetze, Verordnungen und Erlasse.

Mit dieser - pardon - windelweichen Haltung wären viele bahnbrechende Erfindungen und Errungenschaften erst gar nicht gemacht worden. Es gäbe kein Frauenwahlrecht und keinen Bikini.

Wo sind nur Mumm, Esprit, Experimentierfreude abgeblieben?

Für Viele reicht es anscheinend aus, dass irgendwelche alten Männer irgendwann ein paar Sätze zu Papier gebracht haben, die dann ein halbes Jahrhundert nicht mehr hinterfragt werden. Ein Herr Bucksteeg und dessen Jünger liegen schlicht falsch. Es ist dumm, teuer und unbequem für den Bürger sich weiter auf diesen veralteten Unfug weiter einzulassen und eine Technik zu verhindern, die den Leuten wirklich nützlich ist.


>Ach Du Schande ... KAZ als Klimaretter weil bessere CO2 Bilanz als Kompostierung. Ich glaub jetz wird's albern.


Micky

unregistriert

19

Mittwoch, 13. Juni 2007, 13:12

Re: Warum ist das so schwer? KAZ

Herr Berger, ich glaube sie müssen sich eine Plattform suchen, wo mehr interessierte und engagierte Menschen ihre Gedanken zu diesem Thema kennen lernen können. Vielleicht finden sie noch ein paar alte unfähige Politiker, die wegen ihrer Wiederwahl nun Abfallzerkleinerer einführen möchten. Viel Glück dabei.

Seien sich eines Gewiss: Abwasserreinigung ist ein sehr komplexes Thema, dass leider nicht nur davon bestimmt wird, was der Kunde (wie von Ihnen genannt: Finanzier) möchte, sondern zu erfüllen hat, was gesetzlich normiert wird (von Bund, Land und nicht zu vergessen: der EU). Glauben sie mir, manche Gemeinde möchte gern manches anders machen, aber das geht leider oft nicht. Und wenn sie das jetzt den Kommunen vorwerfen, weil das unterste und dem Bürger am nächsten gelegene Organ anzugreifen, am einfachsten ist, ist das hier der falsche Weg.

Im Übrigen kann ich als im Bereich Abfall und Abwasser Tätiger ihren Gedankengängen in Sachen KAZ auch nicht ganz nachvollziehen, tut mir leid.

Deshalb nochmal mein Rat: posten sie nicht hier, sondern da, wo es wirklich interessiert.

Gruß
Micky

Kegebein

unregistriert

20

Mittwoch, 13. Juni 2007, 16:10

Re: Warum ist das so schwer? KAZ

Ich habe das Wort "Klimaretter" nicht benutzt. Zur Rettung des Klimas muss man sicherlich an anderer Stelle diskutieren. Ich möchte nur darauf hinweisen, das KAZ eine deutlich bessere Ökobilanz aufzeigen, als die gängige Praxis der Kompostierung von Küchenabfällen.
Man sollte also bei der Argumentation für oder gegen KAZ zumindest auf Aussagen zurückgreifen, die inhaltlich richtig sind.
Was daran "albern" sein soll, kann ich wirklich nicht nachvollziehen.
Zunächst ist doch festzustellen, dass Küchenabfälle nirgendwo richtig aufgehoben sind: Im Kompost stören sie aufgrund des hohen Feuchtegehalts und der Neigung zur Anaerobie, Im Restmüll stören sie auch wegen der hohen Feuchte, die eine autotherme Verbrennung unterbinden. Im Abwasser stören sie ggf. (je nach status quo der Anlage).
Die Frage ist doch: Welchem Stoffstrom kommen die Küchenabfälle an nächsten? Mit welchen Stoffstrom ist die gemeinsame Verwertung am einfachsten und am effizentesten?
Der Stoffstrom der im Abwasser am meisten stört bzw. den meisten Aufwand erzeugt, ist das Gelbwasser (Pipi), da hier fast aller Stickstoff herkommt, der wiederum für rund 2/3 des Beckenvolumens und des Energieverbrauchs verantwortlich ist. Dabei ist das volumenmäßig der geringste Stoffstrom. Komischerweise springt hier niemand auf die Barrikaden, mit Separationstoiletten läßt sich auch hier eine Trennung realisieren.
Küchenabfälle als Stoffstrom sind dem Abwasser sehr ähnlich (mit dem Unterschied, das die Nährstoffkompomenten deutlich geringere Konzentrationen aufweisen). Warum also soll man hier keine gemeinsamen Verwertungskonzepte realsieren?
Ich finde es sehr interessant, dass es scheinbar nicht möglich ist, das Thema sachlich und ohne überschäumendes Emotionen zu diskutieren.




>Ach Du Schande ... KAZ als Klimaretter weil bessere CO2 Bilanz als Kompostierung.
>Ich glaub jetz wird's albern.

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