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Gaby

unregistriert

1

Montag, 4. April 2005, 23:07

Trinkwasser verseucht mit Coli-Bakterien

Hallo,
ich hätte mal eine Frage:

Wir haben eine Wohnung auf einem Bauernhof, die mit dem hofeigenen Brunnenwasser versorgt wird. Nun sind im Trinkwasser folgende Bakterien gefunden worden:
Clostridum perfringens, sowie Coliforme Bakterien
und somit ist das Wasser für uns als Mieter unbrauchbar geworden.
D.h. wir müssen komplett mit Mineralwasser kochen, bzw. auch teilweise zu Hygenie-Zwecken das Mineralwasser benutzen, was natürlich zu einem nicht unerheblichen finanziellen Aufwand führt.

Vielleicht kann mir jemand eine Antwort geben, ob ich aufgrund dieses Zustandes die Miete mindern kann und gegebenenfalls wieviel?

Außerdem ist auf diesem Gelände auch eine Abwasser - Kloake (Grube), die meines Wissens nicht mehr erlaubt ist.

Ich wäre sehr dankbar um Antworten.

LG

Sven Lippert

unregistriert

2

Mittwoch, 6. April 2005, 16:19

Re: Trinkwasser verseucht mit Coli-Bakterien

Hallo Gaby,

ob Mietminderung rechtlich möglich ist, weiss ich leider nicht. Da das mikrobiologische Problem nicht nur vorübergehend sondern dauerhaft zu sein scheint, frage ich mich: hat das Gesundheitsamt Kenntnis? Dieses KANN dem Inhaber des Brunnens in einem solchen Fall nach der Trinkwasserverordnung anordnen, eine Aufbereitung vorzusehen. Falls das Gesundheitsamt noch keine Kenntnis über die Grenzwertüberschreitungen hat: der Inhaber ist verpflichtet, diese Grenzwertüberschreitungen mitzuteilen.

Falls also das Gesundheitsamt noch nicht beteiligt ist, scheint mir dieser Weg über das Gesundheitsamt zunächst der richtige und wirkungsvollste Hebel zu sein, um dem Missstand möglicherweise ein Ende zu bereiten. Oder ist die Behörde bereits informiert und hat reagiert?

Gruss,
Sven






Würde mich interessieren,









Gaby

unregistriert

3

Mittwoch, 6. April 2005, 22:57

Re: Trinkwasser verseucht mit Coli-Bakterien

>Hallo Gaby,
>ob Mietminderung rechtlich möglich ist, weiss ich leider nicht. Da das mikrobiologische Problem nicht nur vorübergehend sondern dauerhaft zu sein scheint, frage ich mich: hat das Gesundheitsamt Kenntnis? Dieses KANN dem Inhaber des Brunnens in einem solchen Fall nach der Trinkwasserverordnung anordnen, eine Aufbereitung vorzusehen. Falls das Gesundheitsamt noch keine Kenntnis über die Grenzwertüberschreitungen hat: der Inhaber ist verpflichtet, diese Grenzwertüberschreitungen mitzuteilen.
>Falls also das Gesundheitsamt noch nicht beteiligt ist, scheint mir dieser Weg über das Gesundheitsamt zunächst der richtige und wirkungsvollste Hebel zu sein, um dem Missstand möglicherweise ein Ende zu bereiten. Oder ist die Behörde bereits informiert und hat reagiert?
>Gruss,
>Sven
>
>Würde mich interessieren,

Hallo Sven,
ja das Gesundheitsamt ist bereits informiert worden und war auch schon "vor Ort". Ich habe auch den Sachbearbeiter des Gesundheitsamtes angerufen, aber dieser spielte das Ganze ziemlich lapidar ab, mit der Begründung "man könne das Wasser auch abkochen (3Minuten)". Als ich ihm dann sagte, dass nach meinen Infos zumindest einer dieser Keime hitze-resistent ist, ging er nicht mehr näher darauf ein. D.h. es scheint nach Aussage dieses Sachbearbeiters nicht soooo schlimm zu sein :-(
Ich jedoch sehe das anders!
Außerdem hat meine Vermieterin bis heute noch nicht im Entferntesten daran gedacht (oder was unternommen) um diese Verunreinigung zu beseitigen oder es zumindest zu versuchen.
So, was soll ich nun machen? Weiterhin meine Kartoffeln mit Mineralwasser waschen? Ebenso den Salat und alles mit Mineralwasser kochen? Das kostet! Aber mir ist die Infektionsgefahr für meine Kinder und mich zu groß!

Lieben Gruß

Gaby

Sven Lippert

unregistriert

4

Mittwoch, 13. April 2005, 16:23

Re: Trinkwasser verseucht mit Coli-Bakterien

Hallo Gaby,

wenn Du fest entschlossen bist, dort wohnen zu bleiben, möchte ich den Versuch unternehmen, mögliche weitere Ansatzpunkte für eine eventuelle Lösung zu benennen.

Doch zunächst: die Beurteilung des Gesundheitsamtes kann ich, insbesondere ohne genauere Kenntnis der Untersuchnungen, nicht bewerten. Ich vermute mal, dass in der Regel nur eine Beprobung pro Jahr (bei Angaben bis 3000l/Tag vorgeschrieben) stattfindet, oder? Es komt mit entscheidend darauf an, wie häufig und in welchem Maße diese Grenzwerte überschritten werden.

Unabhängig vom "statistischen" Gesundheitsrisiko halte ich es für wesentlich, wie Du das Gesundheitsrisiko für Dich und Deine Kinder einschätzt und erlebst.
Ich möchte darauf hinweisen (vielleicht weisst Du das alles auch schon), dass ein Befund von coliformen Keimen über dem Grenzwert ein Hinweis auf Krankheitserreger sein KANN. Gleiches gilt für C. perfringens im Hinblick auf eventuelles Vorhandensein von Parasiten. Erst ein entsprechender Befund von E. coli ist sicherer Indikator für eine Beeinflussung des Wassers durch Fäkalien von Warmblütern mit dem entsprechenden Risiko des Eintrages von Krankheitserregern. Da das Vorhandensein von Krankheitserregern nicht ausgeschlossen werden kann, hat das Gesundheitsamt ja zur Sicherheit das Abkochen empfohlen. Abgesehen vom damit verbundenen Aufwand bist Du damit nicht zufrieden. Ncoh eine Bemerkung: wie Du bereits recherchiert hast, bildet C. perfringens hitzestabile Sporen aus - die überwiegend vorliegenden vegetativen Zellen werden beim Abkochen abgetötet. Zur Auslösung einer Durchfallerkrankung wird meines Wissens die Aufnahme von ca. 100 Mio Zellen angesehen, dies ist nach dem Abkochen sicher nicht gegeben.

Bei allen nachfolgenden Äusserungen, welche sich alle auf die Trinkwasserverordnung berufen, möchte ich betonen, dass die Rechtspraxis von meinen Interpretationen abweichen kann: da kenne ich mich nicht gut genug aus, noch dazu es sich um eine sehr kleine Anlage mit wenigen Verbrauchern handelt und ich weiterhin vermute, dass es sich um ein Einzelgehöf handelt und ein Anschluss an die öffentliche Wasserversorgung entsprechend teuer wäre. Aber auf alle Fälle halte ich es für Ansatzpunkte, denen Du nachgehen könntest, falls noch nicht geschehen.

Um eine Gesundheitsgefährdung bei Befund von C. perfringens durch Parasiten o.ä. ausschliessen zu können, hat meines Wissens die zuständige Behörde entsprechende Nachforschungen in die Wege zu leiten (Anlage 3 der zu §7 Trinkwasserverordnung). Ist das geschehen?

Darüberhinaus ordnet das gesundheitsamt "in allen Fällen, in denen die Ursache der Nichteinhaltung (Anm.: der Grenzwerte) oder Nichterfüllung unbekannt ist...eine unverzügliche entsprechende Untersuchung an oder führt sie selbst durch."(§ 9 Maßnahmen im Falle der Nichteinhaltung von Grenzwerten und Anforderungen, Trinkwasserverordnung). Ist das geschehen, wurde die Ursache ermittelt? Du hattest diese Klärgrube erwähnt. Warum wurde überhaupt auf C. perfringens untersucht? Dies ist zumindest nur vorgeschrieben, wenn es sich um Oberflächenwasser oder von Oberflächenwasser beeinflusstem Wasser handelt - gibt es diesbzüglich bereits bestehende Vermutungen?

Inwieweit das Gesundheitsamt darüber hinaus es in Deinem Fall bei einem Abkochgebot belassen kann (§9 Abs. 2) oder in jedem Fall Abhilfemaßnahmen anzuordnen hat (§9 Abs. 4), dessen bin ich mir nicht sicher (als Nichtjurist würde ich bei Lesen der Verordnungstexte zunächst letzteres vermuten). Ich vermute, dies hängt wohl auch wieder von Häufigkeit der Grenzwertüberschreitungen von coliformen Keimen und C.perfringens ab.

Hoffe, dass ich Dir ein paar neue Anregungen geben konnte - wäre Dir für eine Antwort über den weiteren Verlauf und den Stand der Dinge dankbar.

Es gibt im übrigen ein stärker frequentiertes weiteres Forum zum Thema Wasser: vielleicht kannst Du Deine Problematik im Forum unter www.wasser.de ebenfalls posten. Es gibt da zahlreiche Nutzer vom Fach, die das Forum täglich besuchen.

Und Du könntest Dir Rat im Diskussionsforum des DVGW (Deutscher Verein des Gas- und Wasserfaches) http://www.dvgw.de/diskussionsforum/ holen.

Viele Grüße,
Sven








(4) Das Gesundheitsamt ordnet in allen Fällen der Nichteinhaltung eines der nach § 5 Abs. 2 oder § 6 Abs. 2 festgesetzten Grenzwerte oder der Nichterfüllung der Anforderungen des § 5 Abs. 1 oder § 6 Abs. 1 oder der Grenzwerte und Anforderungen des § 7 an, dass unverzüglich die notwendigen Abhilfemaßnahmen zur Wiederherstellung der Wasserqualität getroffen werden und dass deren Durchführung Vorrang erhält. Die Dringlichkeit der Abhilfemaßnahmen richtet sich nach dem Ausmaß der Überschreitung der entsprechenden Grenzwerte und dem Grad der Gefährdung der menschlichen Gesundheit.





>>ob Mietminderung rechtlich möglich ist, weiss ich leider nicht. Da das mikrobiologische Problem nicht nur vorübergehend sondern dauerhaft zu sein scheint, frage ich mich: hat das Gesundheitsamt Kenntnis? Dieses KANN dem Inhaber des Brunnens in einem solchen Fall nach der Trinkwasserverordnung anordnen, eine Aufbereitung vorzusehen. Falls das Gesundheitsamt noch keine Kenntnis über die Grenzwertüberschreitungen hat: der Inhaber ist verpflichtet, diese Grenzwertüberschreitungen mitzuteilen.
>>Falls also das Gesundheitsamt noch nicht beteiligt ist, scheint mir dieser Weg über das Gesundheitsamt zunächst der richtige und wirkungsvollste Hebel zu sein, um dem Missstand möglicherweise ein Ende zu bereiten. Oder ist die Behörde bereits informiert und hat reagiert?
>>Gruss,
>>Sven
>>
>>Würde mich interessieren,
>Hallo Sven,
>ja das Gesundheitsamt ist bereits informiert worden und war auch schon "vor Ort". Ich habe auch den Sachbearbeiter des Gesundheitsamtes angerufen, aber dieser spielte das Ganze ziemlich lapidar ab, mit der Begründung "man könne das Wasser auch abkochen (3Minuten)". Als ich ihm dann sagte, dass nach meinen Infos zumindest einer dieser Keime hitze-resistent ist, ging er nicht mehr näher darauf ein. D.h. es scheint nach Aussage dieses Sachbearbeiters nicht soooo schlimm zu sein :-(
>Ich jedoch sehe das anders!
>Außerdem hat meine Vermieterin bis heute noch nicht im Entferntesten daran gedacht (oder was unternommen) um diese Verunreinigung zu beseitigen oder es zumindest zu versuchen.
>So, was soll ich nun machen? Weiterhin meine Kartoffeln mit Mineralwasser waschen? Ebenso den Salat und alles mit Mineralwasser kochen? Das kostet! Aber mir ist die Infektionsgefahr für meine Kinder und mich zu groß!
>Lieben Gruß
>Gaby

Suse2015

unregistriert

5

Samstag, 15. August 2015, 17:48

auch wir haben Coli-verseuchtes Wasser im Haushalt

Hallo,
wir haben dasselbe Problem, nach 1 Jahr wohnen, haben wir mal Gesundheitsamt angefordert. Die stellten fest nicht trinkbar und auch sonstiges wäre nicht ratsam. Die Frage ist immer noch im Raum, da der Vermieter uns das ja auch trinken liess lange....wir dann damit alles machten, ausser eben trinken...ist es Körperverletzung und wie viel % Mietminderung? Wir haben in den fast 1,5 J. viele körperliche Symptome. Klar werden wir ausziehen. Aber es ist noch so viel vorgefallen, wir können nicht einfach gehen und haben neue Kosten. Gibt es noch Rat? Danke, lG Suse

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